Amt geht jedem Hinweis nach Drucken E-Mail
Arbeit im Jugendhilfeausschuss
Geschrieben von: BERNWARD KEHLE   
Montag, 23. Juli 2007 um 15:34 Uhr

Artikel vom 18.07.2007 aus der Geislinger Zeitung (GZ):

JUGENDHILFE / Ausschussmitglieder tagten am Montag bei der Rätschenmühle in Geislingen

Meldungen aus der Bevölkerung über gefährdete Kinder nehmen drastisch zu

Deutlich mehr Hinweise aus der Bevölkerung, die den Kinderschutz betreffen, verzeichnet das Göppinger Kreisjugendamt. Mit dem sensiblen Thema befassten sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses am Montag bei der Geislinger Rätschenmühle.

Knapp drei Wochen ist es her, das dem Göppinger Kreisjugendamt vorgeworfen wurde, eine so genannte Kinderschutzmeldung nicht mit dem nötigen Respekt und der nötigen Verantwortung bearbeitet zu haben. Der 19-jährige Freund der gleichaltrigen Mutter des Säuglings hatte das fünf Monate alte Baby in Geislingen so heftig geschüttelt, dass dessen Hirnverletzungen jetzt in einer Spezialklinik in Stuttgart behandelt werden müssen. Auf die desolaten Familienverhältnisse hatte der Großvater des zweiten Kindes der Mutter das Jugendamt aufmerksam gemacht. Er warf dem Amt vor, seinem Hinweis kaum Beachtung geschenkt zu haben. Beim in Geislingen tagenden Jugendhilfeausschuss ging es nicht nur um diesen Fall, sondern um die Entwicklung der Fallzahlen im Allgemeinen.

Zahlen schnellen nach oben

Jürgen Braun, der Leiter des allgemeinen sozialen Dienstes des Kreisjugendamts, berichtete über eine nach oben schnellende Zahl an Meldungen von Personen, die die Sicherheit des Kindes in diversen Familien als gefährdet ansahen. Waren es vor zwei Jahren im ganzen Jahr über 30 Hinweise, stieg diese Zahl vergangenes Jahr auf 45 an. Dieses Jahr gingen in den ersten sechs Monaten bereits über 75 Meldungen bei den Mitarbeitern des Jugendamtes ein.

Jürgen Braun erklärt sich die Zunahme durch die breite Diskussion des Themas in der Öffentlichkeit. Als weitere Faktoren führt er die in der vergangenen Zeit tragisch verlaufenen Fälle von Kindesmisshandlungen und -tötungen an. Zudem seien Institutionen und verantwortungsbewusste Menschen eben sensibler geworden.

Wie ein roter Faden durchzog der Paragraf 8a des Sozialgesetzbuches VIII Brauns Ausführungen. Dieser Paragraf beschreibt in mehreren Absätzen die Aufgaben des Jugendamtes, wenn das Wohl des Kindes gefährdet wird, bei der Einbindung von Sorgeberechtigten sowie dem Zusammenwirken mit Fachkräften.

Hier werden die Jugendämter aufgefordert, mit den freien Trägern der Jugendhilfe Vereinbarungen abzuschließen, um dem Schutzauftrag in den speziellen Jugendhilfe-Einrichtungen nachzukommen. Des weiteren verweist das Gesetz auf die Kooperation mit den Familiengerichten. Außerdem wird das Jugendamt in die Pflicht genommen, betroffenen Familien Hilfsangebote aufzuzeigen.

Arbeitsbogen entwickelt

"Aktuell arbeitet das Kreisjugendamt mit den Trägern der Jugendhilfe intensiv an der Umsetzung dieser Vereinbarungen", erwähnte Braun. Parallel dazu finde eine Kooperation mit den Fachkräften der Beratungsstellen statt, um in dringenden Fällen externe Beratung abrufen zu können. Zudem habe das Göppinger Kreisjugendamt einen Arbeitsbogen entwickelt, auf dem es die eingegangene Meldung erfasst, einschätzt und das Gefährdungsrisiko aufnotiert. Was die so genannten Kinderschutzmeldungen betreffe, finde eine Überprüfung vor Ort immer durch zwei Sozialpädagogen statt.

"Kein lückenloser Schutz"

"Auch die Jugend- und Familienkonferenz in Potsdam hat festgestellt, dass in einer freiheitlichen Gesellschaft ein lückenloser Kinderschutz nicht möglich ist", gab Braun zu bedenken. Hierfür müsste man Ressourcen zur Verfügung stellen und die Sozialdienste in ihrer Aufgabenwahrnehmung stärken. Wichtig sei jedoch, Risikosituationen zu identifizieren und , wenn nötig, helfend und kontrollierend tätig zu werden.

Jürgen Braun versicherte im Jugendhilfeausschuss, dass jeder eingehenden Meldung nachgegangen werde. Das unterstrich auch sein Chef Lothar Hilger, der Leiter des Göppinger Kreisjugendamts: "Jede Meldung wird bei uns zu einem Fall."



Verteile diesen Artikel in folgenden Netzwerken:
Digg! Google! Facebook! MySpace! Mister-Wong! Free Joomla PHP extensions, software, information and tutorials.